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Jazzgitarren-Legende Thomas Buhé begeistert Schüler der Mittelschule Portitz

 
Thekla
 
Unterricht bei einer Legende hat man nicht alle Tage. Wenn diese besondere Person dann auch noch 91 Lebensjahre zählt und als „Vater der Jazzgitarristen-Ausbildung in der ehemaligen DDR“ bezeichnet wird, kann es sich eigentlich nur um Thomas Buhé handeln. Diese Woche besuchte der Künstler die Mittelschule Portitz und machte Schüler der achten und neunten Klassen – die den Neigungskurs Jazz belegen – mit seinem bewegten Leben bekannt. Damit nicht genug: Gemeinsam mit den beiden „jazzverrückten“ Lehrern Detlef A. Ott und Frank Schmiedl gab er auch seine musikalische Visitenkarte ab. Doch unterhaltsamer Schwerpunkt des Nachmittags wurden die Lebenserinnerungen des Leipzigers – festgehalten in dem Buch „Mein Kaleidoskop“.
 
„Das Leben zwischen den Tönen ist eine Fundgrube für unsere Schüler“, freute sich Annemarie Rauschenbach. „Subjektiver als es ein Geschichtsbuch je sein kann“, so die Schulleiterin. Gespickt mit Anekdoten erzählt Buhé im „Kaleidoskop“ von den Jahren der Kindheit, als Soldat im Krieg, von der schweren Zeit danach, vom unangepassten Künstlerdasein und schließlich von der Zeit als Hochschuldozent.
 
„Ick bin ein Berliner“, stellte sich der 1920 Geborene zunächst vor – doch schon als er ein Jahr alt war, zog die Familie nach Leipzig. „Nach dem Ende der Schulzeit hatte das Leben für meine Generation nichts anderes zu bieten, als den unseligen Krieg. Wieder in Leipzig, war das zivile Leben in der verdreckten und geschundenen Stadt geprägt vom Mangel an fast allen materiellen Gütern, vom Zusammenbruch der Versorgungseinrichtungen, Verkehrsverbindungen und kulturellen Aktivitäten. Leipzig erschien mir wie eine gespenstische Szene in Grautönen ohne einen Hoffnungsschimmer.“
 
Letzteres wurden die Hits von Glenn Miller oder Benny Goodman, welche die Amerikaner aus dem Gebäude des Mitteldeutschen Rundfunks sendeten. Davon angestacheltgründeten Swingfreunde „Die schwarzen Spatzen“. „Dorthin floss ein großer Teil unserer Zeit und Energie, um den jahrelang verteufelten Jazz wieder populär zu machen. Angeekelt von dem sich entwickelnden politischen System, entschloss sich der junge Musiker Ende der vierziger Jahre über die Grenze in die amerikanische Besatzungszone zu gehen – desillusioniert kehrt er Anfang der fünfziger Jahre wieder zurück.
 
Es folgen Auftritte im Rundfunk-Unterhaltungsorchester Leipzig, später bei Kurt Henkels, Fips Fleischer und im Tanzorchester Alo Koll. Und auch den Deutschen Fernsehfunk (DFF) erlebte Buhé in seinen „ersten Stunden“: „Ganz früh reisten wir neugierig nach Berlin, wo uns ein Studio im Format eines Wohnzimmers erwartete, in dem es kaum noch einen freien Winkel gab, alles war mit sperrigen Stativen, Ständern, Requisiten und spanischen Wänden zugestellt. An der Decke führte ein engmaschiges Drahtnetz entlang, an dem hunderte von Fotolampen hingen. Auf rollbaren Drehbeinen summten zentnerschwere Kameras.“ Doch nach 15 Jahren Tanzmusik hatte Buhé die Nase voll von „verschwoften Räumen und wechselte die Hemden“. An der Leipziger und Weimarer Musikhochschule wird er zum „Vater der Jazzgitarrenausbildung“ – seine mehrsprachig verlegten Bücher gelten als Standardliteratur. Ein pädagogisches Prinzip habe er gehabt: „Musik lehren, ohne dass es Spaß macht, braucht man gar nicht erst anzufangen, sonst wird es hölzern. Ich bin kein gottähnlicher Pädagoge. Ich habe den Weg zu meinen Schülern über den fröhlichen Unterricht gewählt.“ Letzteres Prinzip gilt auch an der Portitzer Mittelschule – der Beweis: Jungs des Neigungskurses wollen eine Band gründen.
Ingrid Hildebrandt
 
Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 20.April 2012, Stadtleben, Ausgabe Nord, Seite 57